Im Rahmen eines Schulprojekts zum Thema Bewerbungsgespräche bestand unsere Aufgabe darin, in Gruppen verschiedene Arten von Vorstellungsgesprächen filmisch umzusetzen – vom perfekten Gespräch bis hin zu klassischen Fehlern und hilfreichen Bewerberfragen. Unsere Gruppe, bestehend aus Jannis Eberhart, Tim Müller und mir (Julius Lemke), bekam die Aufgabe, das „schlechte Bewerbungsgespräch“ zu realisieren.
Von Anfang an war uns klar, dass wir nicht einfach nur eine typische Szene mit schlechten Antworten und unangenehmer Atmosphäre zeigen wollten. Das Video sollte im Kopf bleiben, überraschen und gleichzeitig auf unterhaltsame Weise zeigen, was man im echten Leben besser vermeiden sollte. Um diese Idee umzusetzen, habe ich zunächst ein detailliertes Storyboard entworfen, das Kameraeinstellungen, Dialoge und den Ablauf der Handlung festhielt.
Der Film beginnt scheinbar ganz klassisch: Ein Bewerber sitzt im Vorstellungsgespräch, wirkt nervös, unsicher und begeht einen Fehler nach dem anderen – von falscher Körpersprache über unangemessene Antworten bis hin zu mangelnder Vorbereitung. Doch dann folgt ein Plot Twist: Der Bewerber wacht plötzlich auf – die gesamte Szene war nur ein Traum. Im Wartebereich sitzt er tatsächlich noch vor seinem echten Gespräch, völlig angespannt und in Gedanken vertieft. Der Traum spiegelt seine Ängste und Unsicherheiten wider – ein Sinnbild für die Nervosität, die viele Menschen vor wichtigen Gesprächen empfinden.
Für den Dreh haben wir mit einer Sony Alpha 7 Mark IV gearbeitet, die wir im S-Log-Profil aufgenommen haben, sowie mit einem iPhone 16 Pro und einem iPhone 15 Pro Max, beide in Apple ProRes.
Das S-Log-Profil (bei der Sony) und das ProRes-Format (bei den iPhones) sind professionelle Videoformate, die vor allem in der Film- und Werbebranche eingesetzt werden. Der große Vorteil liegt darin, dass sie ein sehr hohes Maß an Bildinformationen speichern – insbesondere in den hellen und dunklen Bereichen. Diese Formate wirken im Rohzustand zunächst flach und kontrastarm, was jedoch gewollt ist: Dadurch hat man in der Postproduktion, also beim Color Grading, viel mehr Spielraum, um Farben, Kontraste und Lichtstimmung gezielt anzupassen.
Beim Color Grading geht es nicht nur darum, die Farben zu „korrigieren“, sondern vielmehr darum, Emotionen durch Farben zu erzählen. Eine kühle Farbtemperatur kann Nervosität oder Distanz vermitteln, warme Töne wirken vertrauter oder optimistischer. Ich habe in der Nachbearbeitung bewusst mit diesen Kontrasten gespielt, um die Atmosphäre zwischen Traum und Realität deutlich hervorzuheben.


Den kompletten Schnitt, das Sounddesign und das Color Grading habe ich selbst in DaVinci Resolve umgesetzt – einer professionellen Schnittsoftware, die auch in der Filmindustrie häufig genutzt wird. Besonders spannend war hier der Moment, in dem der Traum in die Realität übergeht. Um diesen Übergang filmisch zu betonen, habe ich mit verschiedenen Effekten, Farbverläufen und einer gezielten Soundgestaltung gearbeitet, die den Zuschauer spüren lässt, dass sich die Wahrnehmung verändert.
Am Ende ist ein kurzer, aber eindrucksvoller Clip entstanden, der nicht nur zeigt, wie sich ein schlechtes Bewerbungsgespräch anfühlen kann, sondern auch, dass viele Fehler aus Unsicherheit oder Angst entstehen – und dass Vorbereitung und Selbstvertrauen der Schlüssel zu einem erfolgreichen Gespräch sind.
Das fertige Video ist unten auf dieser Seite verlinkt.